Scholl-Schüler bei Müllaktion "Poetry"dabei

Mai 2014

Die Freie Presse berichtet (erschienen am 26.05.2014)

"Im Grunde fängt es mit einer Kippe an"

77 Freiwillige sammelten bei der Müllaktion "Poetry" in Auerbach und Rodewisch mehrere Tonnen Abfall

 

Auerbach. Fast sechs Stunden durchkämmten 77 Mädels, Jungs, Frauen und Männer einzeln oder gruppenweise Wege, Straßen, kleine Wäldchen. Sie haben bei der Müllaktion "Poetry" am Samstag in Auerbach und Rodewisch mehrere Tonnen Abfall gesammelt.

 

Was manche ihrer Mitbürger in der Landschaft entsorgen, zwang beim Einsammeln nicht selten zum Durchatmen und Kopfschütteln. Manchmal ließ es sich nur mit Mühe von der Stelle bewegen. "Wir haben alles gefunden von Binden, Flaschen jeglicher Art, Konservendosen aus DDR-Zeiten und halbvollen Ölkanistern bis zu Schraubstöcken, Zaunsäulen und Werkbänken", zählte Norman Ficker auf. "Die Leute werfen massenhaft Zeug weg. Wir haben schon gut aufgeräumt, aber es gibt noch viel zu holen."

 

Der 28-jährige Grünbacher beteiligte sich zum ersten Mal an der Müllsammelaktion "Poetry". Zur Herbst-Ausgabe wird er wieder anpacken. "Weil ich etwas für meine Heimat tun möchte", sagte er nach einer vier Kilometer langen Straßenrand-Wanderung von Auerbach durch Beerheide und zurück. Im Hofaupark türmten sich seine Funde und die anderer Freiwilliger: Dachrinnen, Autoreifen, einbetonierte Stahlrohre, Fußbodenbelag mit Moosbewuchs, ein verrostetes Sägeblatt, Leuchtstoffröhren. Es war ein Müllberg von mehreren, die auf ihre Entsorgung durch den Stadtbauhof warten. Andernorts stapelten sich aufgespürte Asbestplatten.

 

Initiator der Müllsammlung mit anschließendem Skater-Wettbewerb und Musikfestival ist der Falkensteiner Filmemacher René Eckert. Den Startschuss löste er 2008 aus. Seitdem folgen mehr und mehr Vogtländer seinem Beispiel. Mitmach-Gelegenheiten gibt es zwei im Jahr. "Im Frühjahr arbeiten wir immer mit Schulen zusammen", erklärt er. Am Samstag schickten Auerbachs Goethe-Gymnasium und Geschwister-Scholl-Oberschule Helfer. Eckerts Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus. Es liege am fehlenden Wollen und Wissen, sagte er. "Im Grunde fängt es mit einer Kippe an. Der Großteil ist Sperrmüll, Hausmüll und Metall. Wenn man die Sachen schon mal im Auto hat, kann man zur Kreisentsorgung nach Falkenstein fahren", gibt der Falkensteiner Nachhilfeunterricht. "Da kriegt man für Metall sogar Geld."

 

Yvonne Magwas, Nicole Weber und Paul Schäfer geben an einem der drei über das Sammelgebiet verteilten Versorgungsstände blaue Säcke, Einweghandschuhe und Essen aus. Trotz Wetterkapriolen war die Stimmung gut, berichten sie.